Als Ergänzung zu Folge 18 Aromantisch und allosexuell vs. asexuell und alloromantisch – (K)ein Gegensatz? dürfen wir hier ein paar Gedanken und Erfahrungen von Finn, Jairva und Floris teilen. Vielen Dank dafür!
Die ganze Folge findet ihr hier oder auf einer Podcast-App eurer Wahl.
Wie hast Du herausgefunden, dass du allo-ace bzw. aro-allo bist? Wie nimmst du für dich sexuelle bzw. romantische Anziehung wahr?
Jairva (sie/ihr): Ich habe im Grunde zuerst herausgefunden, dass ich allosexuell (bi) bin. Danach erst habe ich mich mehr mit dem a*spec beschäftigt. Das war aber erstmal unabhängig davon, ob ich selbst dazugehören könnte. Nach einer Weile habe ich überlegt, ob ich ace sein könnte, habe das aber verworfen und dann, über einige Ecken, kam ich zu aromantisch. Also der typische Weg über Asexualität, den viele Aros gehen.
Floris (er/ihm): Ich wusste sozusagen schon immer, dass ich asexuell bin. Allerdings kannte ich dieses Label lange nicht und dachte, sexuelle Anziehung existiere einfach nicht. Dass ich alloromantisch bin, fand ich erst heraus, als ich mich zum ersten Mal verliebt hatte und auch in Zukunft romantische Anziehung fühlte. Vorher hätte ich mich als aromantisch bezeichnet, wenn ich das Label gekannt hätte. Romantische Anziehung ist für mich das Verspüren, mit bestimmten Personen „romantische“ Dinge zu tun, sei dies kuscheln, küssen, etc. (es kann für jede Person unterschiedlich sein, was in welchem Kontext als „romantisch“ gilt). Im Gegensatz zu platonischer Anziehung habe ich bei der romantischen diese „Schmetterlinge im Bauch“ und sie ist insgesamt recht intensiv. Sexuelle Anziehung war mir lange ein Mysterium. Diese ist wie die romantische ein Verspüren davon, der Anziehungsart entsprechende Dinge mit bestimmten Leuten zu tun (in diesem Falle z.B. Sex haben). Allerdings ist das bei mir nie der Fall gewesen.
Finn (keine Pronomen): Ich habe mich einer Person bezüglich meines fehlenden Wunsches nach romantischen Beziehungen anvertraut und mich dann nach ihrem Hinweis auf eine Internetsuche begeben. Dabei habe ich die a*spec Community
gefunden und mich erst als asexuell identifiziert. Bald darauf kam das Label aromantisch dazu. Ich bin zum Teil romance-averse (fühle mich also von einigen romantischen Aktivitäten und Romantik abgestoßen). In meinem Umfeld wurde
Sexualität aber immer stark romantisiert und ausschließlich in
monoromantisch-monosexuellen Langzeitbeziehungen verortet. Nach einiger Zeit in queeren Communitys habe ich begonnen, mich damit auseinanderzusetzen, dass Sex auch außerhalb von Romantik möglich ist und habe festgestellt, dass ich doch nicht so asexuell bin, wie ich ursprünglich dachte. Meine Romance-Aversion dehnt sich allerdings auf Sex-Aversion aus, wenn Sexualität romantisiert wird.
Kannst du dir vorstellen, eine Form von Beziehung zu führen? Wenn ja, welche? Warum/warum nicht?
Jairva (sie/ihr): Ich kann mir keine klassische (romantische) Beziehung und auch keine QPR
vorstellen. Für mich fühlen sich diese Formen von Beziehung nicht passend für mich an. Ich könnte mir jedoch beispielsweise „Freundschaft mit gewissen Vorzügen“ (F+) vorstellen,
wenn ich irgendwie versuche zu labeln, was ich mir wünsche.
Floris (er/ihm): Schon. Allerdings wäre das eine nicht sexuelle Beziehung, eher eine romantisch-platonische (also wäre ich sowohl befreundet als auch verliebt), der platonische
Aspekt ist mir schon wichtig. Eine queerplatonische Beziehung (QPR) wäre vielleicht auch etwas für mich. Ich finde es bei denen cool, dass es keine klaren Voraussetzungen für sie
gibt und anfangs genau abgeklärt ist, welche Art von Beziehung sie sein soll.
Finn (keine Pronomen): Ich führe eine queerplatonische Beziehung, habe also einen nicht-romantischen Partnermenschen, mit dem ich eine Partner*innenschaft nach unserer eigenen Vorstellung außerhalb romantischer Normen führe. Weitere Beziehungen und Beziehungsformen sind für mich auch vorstellbar. Ich wäre zum Beispiel offen für Freund*innenschaft+ oder Spielbeziehungen. Romantik sollte aber nicht Teil einer
Beziehung mit mir sein, weil ich mich damit nicht wohl fühle und mich romantische Handlungen häufig abstoßen. Das heißt nicht, dass eine Person in einer Beziehung mit mir auf gar keinen Fall (auch) romantische Anziehung zu mir entwickeln darf, aber ich möchte dann dennoch auf diverse romantische Handlungen und Romantik in der Beziehungsstruktur verzichten.
Welche Herausforderungen sind dir diesbezüglich begegnet?
Jairva (sie/ihr): Meinem Empfinden nach (ich kann mich da natürlich auch täuschen) ist eine F+ deutlich schwieriger zu suchen und zu finden. Für romantische Beziehungen gibt es
Plattformen, Apps, Treffen etc. Für F+ habe ich sowas noch nicht gesehen. Und natürlich schwingt da auch die Sorge mit, dass wenn die Person allo-allo [allosexuell und alloromantisch] ist, sie romantische Gefühle entwickeln könnte, die ich nicht erwidern kann. Und dass vielleicht auch Beziehungswünsche entstehen, die ich nicht teile.
Floris (er/ihm): Ich war noch nie in einer Beziehung… Ich habe bis jetzt keine Personen gefunden, mit denen ich eine langfristige Beziehung führen wollen würde. Das liegt auch daran, dass ich lange keine Person in meinem Alter kannte, die ebenfalls queer war. Außerdem hatte ich die letzten paar Jahre mehrere queere
Identitätskrisen, sodass ich erst einmal herausfinden musste, welche Labels endgültig zu mir passen.
Finn (keine Pronomen): Einerseits finde ich es herausfordernd, dass Menschen meine queerplatonische Beziehung als romantisch einordnen und lesen, womit ich mich dann immer sehr unwohl fühle. Menschen können sich nicht-romantische Partner*innenschaften oft nicht vorstellen. Es kommt auch vor, dass mir nicht geglaubt wird, was ich über meine Beziehung sage, oder dass Menschen denken, dass sie nicht hält ohne romantische Anziehung bzw. Liebe. Ich habe auch schon mal von Menschen gesagt bekommen, dass ich dann ja aus rein egoistischen Gründen mit anderen Sex hätte, weil angenommen wurde, dass es mir dann nur um mich ginge und ich, wenn ich keine romantische Anziehung oder Liebe empfinde, rücksichtslos gegenüber Sexualpartner*innen wäre oder auch sonst
keine positiven Gefühle für sie empfinden könnte.
Was das Bauen meiner eigenen queerplatonischen Beziehung angeht, nerven amatonormative Vorstellungen, weil die immer wieder reinkommen.
Was denkst du, welche Rolle spielt sex favorable/sex repulsed bzw. romance
favorable/romance repulsed sein?
Jairva (sie/ihr): Aro-allo ist halt auch ein sehr großes Spektrum. Ich bspw. bin aro-allo romance repulsed und non-partnering. Damit habe ich natürlich andere Erfahrungen und Wünsche, als Aro-allos, die romance favorable sind und sich ggf. eine romantische
Beziehung wünschen. Ein weiterer Punkt, der mir bei einer aro-allo-Veranstaltung in der Aro-Week aufgefallen ist, dass Aro-allos und Aro-aces, die sex favorable sind, einige Überschneidungen in ihren Erfahrungen haben.
Floris (er/ihm): Gleichzeitig nicht alloromantisch und allosexuell bzw. sex- und romance-favorable zu sein geht komplett gegen die sozialen Normen unserer Gesellschaft. Somit muss dieses anderen Leuten oft erklärt werden, was jedes Mal ein großer Aufwand ist. Auch, oder gerade in Beziehungen muss dies unbedingt erwähnt werden, da es bei dem Großteil unserer Gesellschaft als Norm gesehen wird, alloallo zu sein. Insbesondere bei sex-/romance-repulsed Personen wird es dadurch von manchen Menschen als etwas Abnormales/Negatives gesehen (und Geschlechterrollen verstärken das noch mehr). Als ich aromantisch (und romance-repulsed) war, wurde das immer als Phase (viele meiner Mitschüler*innen waren irgendwann verliebt oder zumindest alloromantisch) oder später sogar als Problem gesehen („Wirst du den Rest deines Lebens alleine verbringen?“). Dass ich nicht mehr aromantisch bin, negiert meine Erfahrungen nicht, Labels wechseln sich eben manchmal. Bei meinen Erfahrungen mit sex repulsion ist es weniger schlimm… Die meiste Zeit wurde in meinem Umfeld nicht über sexuelle Themen geredet, und es schien irgendwie als etwas „normaleres“ als romance-repulsion gesehen zu werden?
Finn (keine Pronomen): Ich bin teilweise romance-repulsed, wodurch ich einige in romantischen Beziehungen übliche Handlungen unangenehm bis gar nicht möglich finde. Zum Beispiel küsse ich absolut nicht gerne auf den Mund oder werde auch nicht so gerne im Gesicht geküsst (wobei das je nach Situation okayer ist). Auch Beziehungsstrukturen, in denen Romantik, romantische Anziehung oder romantisch konnotierte Handlungen eine große Rolle spielen, sind für mich nicht vorstellbar. Das wäre vermutlich anders, wenn ich romance-favorable wäre. Allerdings bin ich nicht non-partnering, wodurch Menschen auf mich vielleicht ein bisschen anders reagieren, als auf eine Person, die sich nicht verpartnert. Dadurch dass ich offen für nicht-romantische Partner*innenschaften bin, entspreche ich der Norm hier mitunter ein klein wenig mehr und passe ein wenig besser ins System, als eine sich gar nicht verpartnernde Person, auch wenn die Beziehung selbst mit einigen Partner*innenschafts-Normen bricht.
Welche Rolle spielen Gender und gesellschaftliche Erwartungen an männlich bzw. weiblich gelesene Personen?
Jairva (sie/ihr): Romantik wird oft als etwas recht Feminines dargestellt und wahrgenommen. Als Frau dann keine romantische Anziehung zu verspüren und Romantik allgemein nicht zu mögen, ist dann schwierig. Es fühlt sich manchmal an, als würde einem damit ein wenig die Weiblichkeit abgesprochen werden. Und Sex ohne Romantik führt schnell zu Slutshaming.
Floris (er/ihm): Die gesellschaftlichen Erwartungen in Beziehungen sind sehr verschieden bei den binären Geschlechtern (ich lege den Fokus auf cis Personen, da die Erwartungen bei binären trans* Menschen komplizierter und teilweise anders sind). Für nichtbinäre und geschlechtsnonkonforme Menschen gibt es keine
spezifischen Erwartungen, weil sie in der Gesellschaft entweder ignoriert (bis vor einigen Jahren gab es keinen größeren gesellschaftlichen Fokus auf Nichtbinäre) oder nicht ernst genommen und deswegen als binäre Frauen/Männer gesehen
werden. Bei weiblich gelesenen Personen wird romantische Anziehung recht schnell erwartet, Romanzen werden ja primär mit Weiblichkeit assoziiert und das fängt schon früh an. Und immer kommen diese Fragen von Erwachsenen wie „Na? Hast
du schon ‘nen Freund?“. Bei sexueller Anziehung ist das schwieriger zu beurteilen, denn einerseits wird Sex in Beziehungen erwartet, anderseits werden weiblich gelesene Personen, die z.B. nur in sexuellen Beziehungen sind, oft abwertend gesehen (was aber auch mir Amatonormativität und der Norm, hetero und monogam verheiratet zu sein, zu tun hat).
Bei männlich gelesenen Personen wird auch recht schnell romantisches Interesse erwartet, allerdings wird hier primäres Interesse an Sex oft besser bewertet als nur an romantischen Handlungen interessiert zu sein (wie gesagt wird Romantik oft als
feminin gesehen, und bei dem Thema Sex in der Gesellschaft stehen vor allem allocishet Männer im Fokus).
Finn (keine Pronomen): Für weiblich gelesene Personen oder Frauen ist der Druck, eine Beziehung einzugehen und Familie zu gründen, denke ich, anders als für männlich gelesene Menschen und Männer. Natürlich sind auch die Rollenbilder für Männer daran geknüpft, früher oder später eine Partnerin zu finden und eine
Familie zu gründen, jedoch wird von weiblich gelesenen Personen erwartet, dass sie das wollen. Mit wahrgenommener Weiblichkeit werden oft Emotionalität und Romantik zugeschrieben. Eine Arospec*-Identität wird demnach oft als unglaubwürdig angesehen. Ich habe schon häufig erlebt, dass Menschen mir gesagt haben, dass sich meine Aromantik noch ändern wird, oder ich früher oder später eine romantische Beziehung und Kinder haben wollen werde. Ich empfinde es oft als sehr unangenehm, wenn mir über eine falsch wahrgenommene Geschlechtsidentität meine Aromantik abgesprochen wird. Auch kommt es beim Thema Sex außerhalb von romantischen Beziehungen oder ohne romantische Liebe oft zu Abwertungen oder Slut Shaming. Hingegen wird männlich wahrgenommenen Personen häufig nachgesagt, dass sie sehr sexuell wäre, aber mit Romantik vielleicht weniger am Hut hätte. Hier wird Asexualität eher abgesprochen mit dem Argument, dass Männer ja nicht asexuell sein könnten. Männlich gelesene Allo-aros werden auch schnell als Predator/Täter wahrgenommen, als wäre Sexualität außerhalb von Romantik automatisch unkontrolliert und gefährlich, was natürlich nicht stimmt.
Warum sind gerade aro-allo Identitäten häufig so unsichtbar und welche Auswirkungen hat das? Fühlt ihr euch wohl in a* Communitys und was würdet ihr euch wünschen?
Jairva (sie/ihr): Aro gerät allgemein manchmal etwas in den Hintergrund, da a*spec Räume oft noch einen größeren Fokus auf Asexualität haben. Hinzu kommt, dass viele Aro-ace sind. Aro-allo Personen stellen da einfach eine Minderheit dar. Das ist natürlich etwas frustrierend und auch teils isolierend. Aber die a*spec Community – zumindest dort, wo ich mich bewege – ist sich dieser Unsichtbarkeit bewusst und versucht, aktiv etwas zu verändern, aro-allo Stimmen bspw. mehr Gehör zu verschaffen. Und auch dieser Podcast hat sich aktiv damit auseinandergesetzt und die Rückmeldung der Community ernst genommen. Danke dafür. Ich denke, die Community ist auf einem guten Weg für aro-allos
inklusiver und ansprechender zu sein. Ich denke, einer der Punkte, den nicht nur aro-allos kritisieren, sondern auch sex favorable aces ist eine teils eher abwertende Einstellung zum Thema Sex und sexueller Anziehung von einem Teil der Community. Aber wie gesagt ist die Community da schon auf einem guten Weg. Mein Wunsch wäre also: Dranbleiben.
Floris (er/ihm): In A*spec-Communities scheint es einen Fokus auf romance- und sex-repulsed Aroaces und sex-repulsed Alloaces zu geben (habe ich z.B. vor einigen Jahren auf A*spec-Subreddits gemerkt). Über Sexuelles wird möglicherweise deswegen wenig bis kaum geredet, wodurch Aroallos in den Hintergrund geraten. Es hilft auch nicht, dass aromantische Personen teilweise direkt als aroace gesehen werden (weil Aromantische anhand ihrer (teilweise) fehlenden Anziehung kategorisiert werden und zwischen romantischer und sexueller Anziehung in unserer Gesellschaft meistens nicht unterschieden wird) und aromantische
Repräsentation kaum existiert. Wenn sie es überhaupt gibt, dann sind die Chancen hoch, dass die Charaktere aroace sind (was an sich nichts Schlechtes ist, jedoch braucht Repräsentation immer Varietät). Mittlerweile ist die einzige A*spec-Community, in der ich bin, der Aspec*German-Server. Ich fühle mich dort ziemlich wohl, ich war nur zugegebenermaßen länger abwesend. Bis jetzt hatte ich nämlich keine Probleme auf dem Server, vielleicht liegt das an den Kanälen, in denen ich bin oder gerade nicht bin. Ich wünsche mir allgemein bessere und spezifischere Repräsentation für uns
A*spec-Leute (besonders für Alloaros!) und ein friedliches Zusammenleben. So etwas wie ace discourse soll es nie wieder geben.
Finn (keine Pronomen): Ich denke, das hat viel damit zu tun, dass ein großer Teil der Community aus Aro-aces besteht. Das führt dazu, dass in der Community Wissen zu Allosexualität und sexueller Anziehung fehlt. Der Fokus liegt zumeist auf Asexualität. Vermutlich auch aufgrund von Unwissen und Unverständnis fallen immer wieder undifferenzierte bis schlichtweg schwierige Aussagen über Sex, sexuelle Lust oder sexuelle Anziehung, die dazu führen, dass ich mich dann von der Community distanziert und entfremdet fühle. Gefühlt wird manchmal einfach vergessen, dass auch allosexuelle Personen nicht alle gleich sind, sondern ihre Sexualität unterschiedlich leben und erleben. Ich bemühe mich immer wieder das anzusprechen und eine andere Perspektive einzubringen, aber manchmal fehlt mir auch einfach die Kraft, oder ich bin unsicher, ob ich nicht auf Ablehnung stoße, wenn ich etwas dazu sage. Allo-aro-Identitäten werden zusätzlich immer wieder sexualisiert, was Allo-aros auch nicht unbedingt dazu ermutigt, offen über ihre Identität und Perspektive zu sprechen. Ich wünsche mir von a*spec Communitys, dass sie Allo-aros, Gray-aces und sex favourable Aces mehr zuhören bzw. bewusst der Austausch mit allosexuellen Menschen gesucht wird. Wir bewegen uns auf Spektren und das gilt auch für allosexuelle Menschen. Lasst uns einander zuhören und nicht vergessen, dass
auch die Sexualität von allosexuellen Menschen nicht bei allen gleich ist, so wie es auf den asexuellen und aromantischen Spektren eine Menge verschiedene Erfahrungen gibt.
Wie könnt ihr zur jeweils “anderen” Identität (als aroallo zu aroallo und umgekehrt) relaten und wo seht ihr Unterschiede?
Jairva (sie/ihr): Ich denke, da beides Spektren sind, ist es schwierig und sehr individuell, mit wem ich da relaten kann. Ich denke, dass beide Identität eher mal „untergehen“ in der
a*spec Community. Aber das kann ich schwer einschätzen. Ich denke von außen, also außerhalb der a*spec Community, werden diese beiden Identitäten sehr verschieden wahrgenommen. Vor allem, da sexuelle und romantische Anziehung sehr unterschiedlich wahrgenommen und dargestellt werden. Während romantische Anziehung oft als etwas Unschuldiges und Schönes dargestellt wird, wird sexuelle Anziehung oft als etwas “Schmutziges“ und „Animalisches“ dargestellt. Das beeinflusst natürlich auch, wie diese Identitäten wahrgenommen werden.
Floris (er/ihm): Als Alloace ist es für mich schwer, Allosexualität zu verstehen (das klappt aber deutlich besser als früher). Aromantik verstehe ich sehr gut, weil ich wie gesagt früher aromantisch war. Für mich beschreibt das Label alloaro die komplett umgekehrte Erfahrung von meiner eigenen. Ich sehe also viele Unterschiede bezüglich dessen. Allerdings sind die negativen Erfahrungen teilweise ähnlich: sich immer erklären zu müssen, Probleme mit Beziehungen und von vielen als abnormal gesehen zu werden. Eine „Verbundenheit im Leid“ kann durchaus empfunden werden. Allgemein spüre ich zu anderen asexuellen und aromantischen Menschen viel Solidarität. Die beiden Labels sind irgendwie wie Geschwister, verschieden und doch im Kern ähnlich.
Finn (keine Pronomen): Ich denke auf jeden Fall, dass Allo-aces genau wie Allo-aros auf ihre Weise in einem anderen Bereich mit den normativen Vorstellungen davon, wie partner*innenschaftliche Beziehungen sein sollen, brechen. Ist eine Person romance- oder sex-repulsed gibt es zumeist keine Vorlage dafür, wie eine für die Person passende Partner*innenschaft aussehen könnte, weil sowohl Sexualität als auch Romantik gesellschaftlich häufig als notwendige Bestandteile davon gesehen werden. Aber auch für romance- oder sex-favorable Personen kann ich mir vorstellen, dass das Fehlen der Anziehung zu Schwierigkeiten führt, weil in Partner*innenschaften ja oft romantische und sexuelle
Anziehung (nicht nur die damit assoziierten Handlungen) erwartet werden. Beide Identitäten brechen mit Erwartungen an Geschlechterrollen und andere gesellschaftliche Normen. Gleichzeitig sind beide Identitäten und Erfahrungen in
a*spec Communitys häufig unterrepräsentiert. Ich sehe Unterschiede darin, wie die Gesellschaft auf die beiden Identitäten reagiert und welche Geschlechterzuschreibungen mit ihnen verknüpft werden. Ich kann mir auch vorstellen, dass Allo-ace-Identitäten nach außen etwas weniger sichtbar sind, wenn eine romantische Partner*innenschaft besteht, während zum Fehlen einer romantischen Partner*innenschaft (besonders im Fall einer Person, die sich überhaupt nicht verpartnert) vielleicht schneller Fragen kommen, als zum eigenen Sexleben mit Partnermenschen. Generell werden Allo-aro-Identitäten häufig sexualisiert und als „gefährlich“ oder „unpassend“ angesehen, während das bei Allo-ace-Identitäten auf diese Weise nicht passiert.
Am Ende: Was möchtest du allo-aces und aro-allos mit auf den Weg geben?
Jairva (sie/ihr): Ihr seid nicht allein. Auch wenn es sich manchmal anfühlt, als gäbe es keine/kaum Personen, die so sind wie ihr. Es gibt sie. Und vermutlich gibt es noch ziemlich viele Aro-allos, die noch gar nicht wissen, dass sie aro-allo sind.
Floris (er/ihm): Lasst euch von anderen Menschen und gesellschaftlichen Erwartungen nicht unterkriegen!
Finn (keine Pronomen): Ihr seid nicht alleine mit euren Erfahrungen in- und außerhalb von a*spec Communitys. Und mit euren Perspektiven seid ihr eine große Bereicherung für die Communitys, in denen ihr euch bewegt.

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